Zur Motivation
Steht man vor einer der überdimensionalen Fotografien, so ist der Eindruck zunächst verwirrend. Die Bilder sind dynamisch und Energie geladen – das spürt man. Sie zeigen Kurven und klar erkennbare Linien, manchmal diffus verschwommene Farben. Aber was verbirgt sich hinter diesen Strukturen?
Die Fotografien wurden auf Reisen in viele Länder der Welt gemacht und tragen als Namen eine seltsame Zahlenfolge. Diese besteht aus den Breiten- und Längengraden, wo die Aufnahme entstand, ergänzt durch die genaue Zeitangabe der Entstehung in Jahr, Monat, Tag, Stunde und Sekunde. So kann jede Fotografie einem Ort und einer Zeit eindeutig zugeordnet werden.
Entstanden sind die Fotografien in Großstädten wie New York, Sao Paulo, Paris, Vancouver, Buenos Aires und jüngst auch in Tokio. Dabei war es der Zufall, der zu dieser Art und Weise der Fotografie inspirierte.
„Wir waren im Auto unterwegs, es war dunkel und ich wollte ein paar Schnappschüsse der Stadt machen. Die Bilder waren furchtbar verwackelt, man konnte keine Details erkennen. Nur verwaschene Farben und ein paar helle Linien, die sich über das Bild zogen. Ich war schon dabei sie zu löschen, aber ich mochte sie irgendwie. Das war wohl der Beginn einer Leidenschaft. Seitdem fotografiere ich auf diese Art in jeder Stadt, die ich bereise.“
Es folgte ein langer Weg mit vielen Experimenten, bis die Fotografien der Idee und dem ästhetischen Empfinden entsprachen. Verwurzelt in der Tradition der Impressionisten, ist in den Bildern das Licht ebenfalls das primäre Gestaltungsmittel. Die Essenz der Objekte und nicht die Objekte selbst werden hervorgehoben. Das Augenmerk liegt mehr auf den farbigen Reflexen als auf der Lokalfarbe der Gegenstände. Es wird versucht, die Erscheinungsfarbe einzufangen. Mit ihr wird deutlich, wie sich die Farbigkeit bei unterschiedlichen Lichtverhältnissen verändert. Durch die Wahl der Tageszeit gewinnen die Fotografien ein größtmögliches Maß an Intensität. Die meisten Bilder sind daher bei Nacht oder während der Dämmerung entstanden. Eine Zeit, in der die Großstadt zu pulsieren beginnt und zum Leben erwacht.
Eine andere Besonderheit im Schaffensprozess ist die Bewegung. Die Bewegungsunschärfe löst die Konturen auf und die Objekte offenbaren ihr inneres Wesen. Ihre Seele erscheint in einem einzigartigen Lichtspiel – mal kraftvoll, versengend und laut, mal leise, filigran und vielschichtig, aber dennoch nicht weniger ausdrucksstark. Die Bilder zeigen die Stadt, wie sie das menschliche Auge unmöglich sehen kann, der Augenblick wird über die Bewegung eingefangen. Ein tragendes Motiv ist es, Dinge zu zeigen, wie sie niemand sehen oder erleben kann – und doch entstammen sie einer unmittelbaren Umgebung und der Welt, wie wir sie wahrnehmen. Der Betrachter der Bilder bekommt allerdings einen bisher unbekannten Moment der Realität gezeigt. Genauer könnte man sagen, es wird die Welt gezeigt, wie sie jeder kennt, aber aus einer ganz neuen Perspektive – aus der Perspektive von Licht und Bewegung.